Mit Hilfe der CVs (Konfigurations-Variable) lassen sich eine Reihe von Parametern verändern, die das Verhalten eines Decoders unter bestimmten Umständen und in bestimmten Bereichen bestimmen. Auch mit der sog. Registerprogrammierung wird nichts anderes verändert als die jeweilige CV. Die unmittelbare CV-Programmierung (bit- oder byteweise) bietet jedoch viel mehr und viel exaktere Möglichkeiten.

Wat is ne CV?

Da stelle mer uns emal janz dumm un sage "en CV is ers emal ene Karteikarte"...

Die Anzahl der Funktionsausgänge eines Decoders läßt sich nicht verändern, da sie durch die Hardware festgelegt ist. Auch ist z.B. die maximale Belastbarkeit eine Eigenschaft, die nicht geändert werden kann.

Aber es gibt eine große Anzahl von Eigenschaften, die nicht durch die Hardware des Decoders festgelegt sind, sondern von der im Decoder laufenden Software bestimmt werden. Diese Eigenschaften sind in großem Umfang veränderbar. Die für den üblichen Betrieb wichtigsten Eigenschaften wären hier die Lokadresse, die Anfahr- und Bremsverzögerung.

Für jede dieser Eigenschaften gibt es innerhalb des Decoders einen Speicherplatz, in denen eine Zahl abgelegt wird. Diese Speicherplätze sind vergleichbar mit Karten in einem Karteikasten. In jedem Decoder befindet sich ein solcher, zugegebenermaßen mikroskopisch kleiner "Karteikasten". Auf jeder der "Karten" ist eine Eigenschaft des Lokdecoders aufgeschrieben, zum Beispiel auf der "Karte" Nummer 1 die Lokadresse, auf der "Karte" Nummer 3 die Anfahrverzögerung. Also für jede Eigenschaft des Decoders eine Karte. Je nach Anzahl der in diesem Decoder verfügbaren Eigenschaften ist der "Karteikasten" mal größer, mal etwas kleiner.

Dieser "Karteikasten" ist eine Art "Schaltzentrale" im Decoder. Was hier gespeichert ist bestimmt das Verhalten des Decoders ganz maßgeblich. So wird zum Beispiel auf einer der "Karten" bestimmt, ob der Lokdecoder auch auf konventionellen Gleichstrom einer analogen Anlage reagiert.

Stellen Sie sich vor, diese "Karten" sind mit Bleistift beschrieben, es ist also kein Problem die Eintragung zu ändern, quasi "auszuradieren und neu zu beschreiben". Dies erledigen Sie beim Programmieren des Lokdecoders. Der Vergleich mit dem Radierer stimmt nicht ganz, denn leere "Karten" gibt es nicht. Irgendetwas steht immer drauf, und sei es eine Null. Und die muss nicht bedeuten, dass der Inhalt der "Karte" dann uninteressant ist. Und -Ausnahmen bestätigen die Regel - es gibt auch "Karten", deren Beschriftung Sie zwar lesen, aber nicht mehr löschen können. Dies sind z.B. die Versionsnummer und der Herstellercode.

Auf den "Karten" steht also immer ein Zahlenwert. Und der kann sich zwischen 0 und 255 bewegen. Ob immer alle möglichen Zahlen aus diesem Wertevorrat sinnvoll sind, ist abhängig von der Eigenschaft. Und es gibt "Karten", auf denen dieser Zahlenwert in einer anderen Schreibweise dargestellt wird, um den Umgang damit zu erleichtern. Doch dazu später noch mehr.

Da Sie diese Zahlen auf diesen Karteikarten (in diesen Speicherplätzen) immer wieder verändern können, werden sie auch als Variable bezeichnet. Mit dieser Variable werden Eigenschaften bestimmt, konfiguriert, und so entstand (in den USA) der Begriff "Configuration Variable", abgekürzt CV.

Ab jetzt sprechen wir also nicht mehr von Karteikarten, sondern verwenden wieder den korrekten Begriff der CV. Mit Hilfe der CVs werden also die Eigenschaften oder das Verhalten eines Decoders bestimmt.

Die Normung

Die NMRA (National Model Railroad Association; Amerikas Vereinigung von Modellbahnern, die größte Vereinigung dieser Art weltweit) hat in einer Ihrer Normen festgelegt, durch welche CV welche Eigenschaft bestimmt wird. Dies hat für Sie den Vorteil, dass Sie bei nach dieser Norm entwickelten Decodern unter gleichen CVs immer gleiche Eigenschaften finden. Sie müssen sich also die für Ihren Betrieb wichtigen CVs nur einmal merken und kommen auch bei verschiedenen Decodern nicht durcheinander.

Bestimmte CVs muss jeder Decoder haben, um die Normungskriterien der NMRA zu erfüllen. Diese CVs sind eine der notwendigen Voraussetzungen für das Erhalten des "Conformance Seal". Dazu zählen z.B. die CV1 (Decoderadresse), die CV7 (Versionskennzeichnung, unveränderbar), die CV8 (Herstellerkennung, unveränderbar) und die CV29 (Decoderbasiskonfiguration).

Andere CVs wiederum kann ein Hersteller in seinem Decoder verwenden, muss er aber nicht. Dennoch ist die Bedeutung der CVs, wenn sie verwendet werden, der Norm entsprechend auszuführen. Abschließend gibt es noch einen Bereich von CVs, deren Bedeutung der Hersteller frei festlegen kann.

Die meisten modernen Decoder unterstützen mehr als die Pflicht-CV, natürlich auch alle aktuellen Lenz-Decoder.

Verschiedene Darstellung eines Zahlenwertes: Die "Bits" in den CVs

In der CV1 wird die Basisadresse des Lokdecoders abgelegt. Hier ist es einfach, wenn Sie diese Adresse als Zahlenwert eingeben können. Es kann aber auch sein, dass in einer CV verschiedene Eigenschaften beeinflusst werden. Ein Beispiel hierzu wäre das Ein- und Ausschalten der Regelung oder des konventionelle Betriebs. Hier wäre es sehr umständlich, wenn man für jede der möglichen Kombinationen einen bestimmten Zahlenwert eingeben müsste.

Einfacher ist es, Sie stellen sich in den betreffenden CVs 8 Schalter vor, die ein- oder ausgeschaltet werden können. Diese Schalter nennen wir "Bits". Ist der Schalter eingeschaltet, so sagen wir "das Bit ist gesetzt" oder "das Bit ist 1", ist der Schalter ausgeschaltet, so sagen wir "das Bit ist gelöscht" oder "das Bit ist 0".

Dies ist nichts anderes als eine andere Schreibweise der Zahlenwerte. Man nennt sie binäre Darstellung. Hier wird der Zahlenwert nicht dezimal mit den Ziffern 0 bis 9 dargestellt, sondern nur mit den Ziffern 0 und 1, also binär = nur mit zwei Werten.

Zählweise der Bits

In der Technik ist die Zählweise der Bits bei 0 beginnend üblich. Da dies nicht dem normalen Sprachgebrauch entspricht (oder zählen Sie die Wagen eines Zuges "0,1,2..."?), zählen wir bei Lenz die Bits bei 1 beginnend. Für alle Digital plus Geräte und Decoder gilt diese Zählweise. Wenn Sie Ihre Decoder mit Geräten anderer Fabrikate programmieren, müssen Sie ggf. die Zählweise bei 0 beginnend anwenden, deshalb finden Sie hinter den Bitnummern in Klammern jeweils die Nummer für die Zählweise bei 0 beginnend.

Beispiel:
Bit 2 (1): Die Zahl vor der Klammer gibt die Bitnummer in der Zählweise "bei 1 beginnend" an, die Zahl in Klammer die Bitnummer in der Zählweise "bei 0 beginnend" an.

Binäre Darstellung

Am Beispiel der CV29 wollen wir die binäre Darstellung verdeutlichen:

In dieser CV29 werden verschiedene Einstellungen gespeichert. Ob eine bestimmte Einstellung ein- oder ausgeschaltet ist, bestimmt einer der 8 Schalter (Bits). Ist der Schalter eingeschaltet, so ist das Bit gesetzt, der Wert beträgt also "1", entsprechend ist das Bit nicht gesetzt und der Wert beträgt "0", wenn der Schalter ausgeschaltet ist.

Schalter Nr
(Bit Nr)
Schalter EIN =
Bit gesetzt "1"
Schalter AUS =
Bit gelöscht "0"
1 (0) Lok fährt rückwärts, wenn Richtungsschalter nach 'oben' zeigt Lok fährt vorwärts, wenn Richtungsschalter nach 'oben' zeigt
2 (1) Lok fährt im 28/128-Fahrstufenmodus Lok fährt im 14/27-Fahrstufenmodus
3 (2) Lok kann auch analog fahren Lok kann nicht analog fahren
4 (3) wird nicht verwendet
5 (4) Decoder benutzt eingestellte Geschwindigkeitskennlinie Decoder benutzt werkseitige Geschwindigkeitskennlinie
6 (5) Lok wird mit erweiterter Adresse aus CV17 und CV18 gesteuert Lok wird mit Basisadresse aus CV1 gesteuert
7 (6) wird nicht verwendet
8 (7) wird nicht verwendet

Bestimmte Eigenschaften werden also einfach durch Setzen oder Löschen eines Bits in der CV ein- bzw. ausgeschaltet.

Besonders komfortabel ist das Setzen und Löschen von einzelnen Bits mit den Handreglern LH100 (ab Version 2), LH200 und LH90 möglich. Diese Geräte verfügen über ein spezielles Menü hierfür. Wenn Sie einen LH100 kleiner Version 2 einsetzen, so können Sie mit diesem Handregler nicht im Binärmodus programmieren, gleiches gilt z.B. für das "compact" und ggf. auch für Geräte anderer Hersteller. In diesem Fall müssen Sie einen Dezimalwert (Byte-Wert) in die CV eingeben, der den gesetzten bzw. gelöschten Bits entspricht.

Wer das Digital plus System mit den Lenz-Komponenten an den PC angeschlossen hat, der verfügt über einen komfortablen CV-Editor am Bildschirm, mit dem sich die CVs bequem einstellen lassen. Mehr dazu unter Anschluß an den PC.

Bitte ein paar Bit...

Jede CV besteht aus 8 Bits. Damit die Einstellungen auch nach Ausschalten des Stroms nicht verloren gehen, werden sie in einem permanenten Speicherbereich des Decoders abgelegt. Für die Änderung der CV-Werte gibt es verschiedene Methoden, hierüber informieren die Decoderhandbücher und die Beschreibungen der verwendbaren Eingabegeräte.

Die CV lassen sich bitweise oder byteweise programmieren. Bitweise heißt, jedes einzelne der 8 Bits wird entweder auf 0 oder auf 1 "gestellt". Bei der byteweisen Programmierung wird der Bytewert (also eine Dezimalzahl) eingegeben, der sich aus den Bits einer CV ergibt: der Bytewert 55 z.B. entspricht dem Bitwert 00110111.

Setzen und Löschen von Bits in einer CV

In vielen CVs in den Decodern wird nicht mit Zahlenwerten gearbeitet, sondern mit einzelnen Bits. Wenn Sie einen Decoder programmieren wollen, der das bitweise Ändern von CVs nicht unterstützt, oder Sie verwenden ein System, das keine bitweise Programmierung erlaubt dann müssen Sie, je nachdem welche Bits in den CVs gesetzt oder gelöscht sein sollen, den zugehörigen Dezimalwert einprogrammieren.

Stellt sich also die Frage: "Welche Dezimalzahl muss ich eingeben, damit welche Bits gesetzt oder gelöscht sind?" Man kann das errechnen, indem man die Wertigkeiten aller Bits, die in der CV gesetzt werden sollen, addiert, wobei ein nicht gesetztes (gelöschtes, ausgeschaltetes) Bit die Wertigkeit "0" hat.

Wenn Sie also beispielsweise das Bit 1 und das Bit 5 setzen wollen, so müssen Sie die Wertigkeiten dieser Bits addieren: Bit 1 (Wertigkeit 1) plus Bit 5 (Wertigkeit 16) = 17. Also ist '17' der Dezimalwert, den Sie in die CV einprogrammieren müssen, wenn die Bits 1 und 5 gesetzt sein sollen.

Der Bit-Rechenknecht:

Wer nicht täglich mit der Umrechnung von Dual/Dezimalzahlen befasst ist, dem mag dieser kleine Rechenknecht eine Hilfe sein: einfach die entsprechenden Bits durch anklicken setzen und den Bytewert ablesen. Da man das höchstwertige Bit als erstes schreibt, fangen wir mit Bit 8 (7) an. Unter der Bit-Nummer steht jeweils die Wertigkeit:

Bit 8 (7) Bit 7 (6) Bit 6 (5) Bit 5 (4) Bit 4 (3) Bit 3 (2) Bit 2 (1) Bit 1 (0) Byte
128 64 32 16 8 4 2 1 dezimal

Minimale, maximale und mittlere Geschwindigkeit

Die minimale Geschwindigkeit wird in CV2, die mittlere in CV6 und die maximale in CV5 abgelegt. Für alle drei CVs gilt der Wertebereich von 0-255. Der Decoder errechnet aus den drei Werten automatisch eine knickfreie Geschwindigkeitskurve.

Zwei Beispiele: (Maus auf Grafik = größere Ansicht)

Geschwindigkeitskurve mit den Werkseinstellungen:
CV2 = 0
CV5 = 255
CV6 = 60

Veränderte Einstellung mit reduzierter mittlerer Geschwindigkeit:
CV2 = 0
CV5 = 255
CV6 = 30
Diese Einstellung ergibt geringere Änderungen im unteren Fahrstufenbereich

Veränderte Einstellung mit reduzierter Maximalgeschwindigkeit:
CV2 = 0
CV5 = 200
CV6 = 60

Die Werte der minimalen, mittleren und maximalen Geschwindigkeit stehen in Abhängigkeit voneinander. Wenn Sie also die mittlere Geschwindigkeit niedriger wählen als die minimale, dann wird Ihre Lok im mittleren Fahrstufenbereich langsamer fahren als im unteren.

Beispiel für ungünstige Wahl des Wertes für die mittlere Geschwindigkeit:
CV2 = 40
CV5 = 200
CV6 = 1

Korrektur durch Erhöhung des Wertes für die mittlere Geschwindigkeit:
CV2 = 40
CV5 = 200
CV6 = 70

Der Wert 255 in der CV 2 ergibt bei Fahrstufe 1 die maximale Geschwindigkeit.

Geschwindigkeitskennlinie

Neben den Einstellungen für minimale, mittlere und maximale Geschwindigkeit können Sie alternativ eine eigene Geschwindigkeitskennlinie in den Decoder eingeben. Wenn Sie dies tun, haben die Einstellungen von CV2, CV5 und CV6 keine Auswirkung.

Die selbstprogrammierte Kennlinie wird in den CV67 bis CV94 abgelegt. Dabei bestimmt der Wert in CV67 der Geschwindigkeit bei Fahrstufe 1, der Wert in CV68 der Geschwindigkeit bei Fahrstufe 2 und so weiter bis zur CV94, deren Wert die Geschwindigkeit bei Fahrstufe 28 bestimmt.

Um die selbstprogrammierte Geschwindigkeitskennlinie zu aktivieren, müssen Sie in der CV29 das Bit 5 setzen.

Jetzt geht's los!

Am besten bewaffnen Sie sich mit dem Handbuch des Decoders und probieren die vielseitigen Möglichkeiten der CV-Programmierung einfach aus. Keine Angst, Sie können nicht viel falsch machen, denn im Notfall lässt sich der Decoder immer wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzen:

Schreiben Sie einfach in die CV8 den Wert 33. Nicht betroffen von diesem Vorgang sind die CVs einer selbst erstellten Geschwindigkeitskennlinie. Beachten Sie aber, dass in der CV29 das Bit 5 gelöscht wird, der Decoder also auf Verwendung der Werkskennlinie eingestellt wird.
Die CVs eines angeschlossenen S.U.S.I. Moduls werden ebenfalls nicht zurückgesetzt!

Ein Tip noch...:

Ein Fehler, der erfahrungsgemäß gerade am Anfang häufig gemacht wird, ist die nicht übereinstimmende Einstellung der Fahrstufenanzahl in der Zentrale und am angesteuerten Decoder (CV 29). Sind die Einstellungen nicht identisch, kommt es zu Fehlern bei der Interpretation der Signale durch den Decoder wie z.B.:

Also, wenn etwas nicht so recht klappen will, kontrollieren Sie mal die CV29...

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